 Sie sind bei normalem Tageslicht fast nicht zu sehen, leuchten im Schwarzlicht aber in grellen Neonfarben: UV-Tätowierungen. Besonders für Jugendliche haben die außergewöhnlichen Tattoos ihren Reiz. Die Eltern bemerken nichts und in der Disco kommen sie groß raus. Doch bisher ist nicht geklärt, wie gefährlich die importierten Farben sind.
Frantz Kämpf gehört zu den stolzen Besitzern eines UV-Tattoos. Er ist Mit-Inhaber des Tattoo-Studios "Dänemark" auf dem Kiez. Vor mehr als drei Jahren ließ er sich die leuchtenden Farben als chinesische Zeichen in seinen linken Unterarm einbringen: "Ich wollte etwas Außergewöhnliches und Farbiges haben." Angst vor einer Schädigung hat er nicht. "Was ist heutzutage schon ungefährlich? Wahrscheinlich ist Rauchen schlimmer."
In letzter Zeit hatte Kämpf nur wenig Kundenanfragen nach UV-Tätowierungen. Ärgerlich für den Tätowierer. Denn eine kleine Flasche mit dem leuchtenden Stoff kostet stolze 100 Euro. Binnen drei Monaten trocknet die extra aus den USA importierte Flüssigkeit aus.
"Der UV-Trend ist in zwei Jahren bestimmt wieder verschwunden", sagt Andreas Schmidt, zweiter Vorsitzender der Deutschen Organisierten Tätowierer. "Wir raten davon ab, sich damit tätowieren zu lassen, und raten auch den Tätowierern ab, solche Tattoos zu stechen." Wer wirklich ein Tattoo wolle, der lasse sich noch immer ein Sichtbares machen. Die UV-Bilder hätten mit echten Tattoos jedenfalls nichts zu tun. Schmidt glaubt, dass die Farben schädlich sind. Seine Organisation lässt sie jetzt betesten.
Auf der Verpackung der Tätowierfarbe steht wenig zu den Inhaltsstoffen. "Aber anscheinend sind es Stoffe, die wir täglich nutzen", sagt Dr. Wolfgang Kimmig vom UKE. "Ähnliche Stoffe befinden sich in Zahnpasta und Waschmittel" - deshalb leuchten frisch geputzte Zähne und weiße Kleidung unter Schwarzlicht. "Klar kann es zu Hautreizungen oder Ekzemen kommen", sagt der Oberarzt, "aber das kann auch bei anderen Tattoos passieren."
Zitat: "In der UV-Farbe sind Stoffe wie im Waschmittel" Dr. Wolfgang Kimmig, UKE "UV-Bilder haben mit echten Tattoos wenig zu tun " Andreas Schmidt, Tätowierer
Ressort: HH Hamburg Text: JANA TILZ Hamburger Morgenpost: 20.10.2008 |