| Auch ohne Trikot sehenswert: Roberto Hilbert.Foto: Baumann Stuttgart - Tätowierungen? Nein danke, hieß es früher. Die Körperbilder hatten das Stigma des Matrosen oder Sträflings. Ein Schmuddel-Image. Heute schmücken die Bilder die Körper von Models und Popstars wie Heidi Klum oder Robbie Williams. Aber die von Fußball-Ikone David Beckham oder von Lieschen Müller. Aber ganz gleich ob Normalo oder Promi - allen ist eines gemein: Sie tragen Kunst zur Schau, die buchstäblich unter die Haut geht. Auch bei VfB-Profi Roberto Hilbert. Nur in einem unterscheiden sich die Menschen, die sich mit einer Nadel Farbe unter die Haut treiben lassen. Fast jeder hat ein anderes Motiv, sich der nicht ganz schmerzfreien Prozedur hinzugeben. Mal ist es politischer Protest oder der Ausdruck von Unangepasstheit. Mal geht es um die Verstärkung sexueller Reize oder um religiöse Gefühle. Aber für viele andere ist es einfach nur Schmuck. Zu dieser Gattung zählt Roberto Hilbert. Seit er Tattoos bei seinen Freunden in Fürth entdeckt hat, findet er sie einfach nur gut. Lange Zeit ging es ihm aber wie jedem Kunstliebhaber: Nicht alle Bilder, die man schön findet, kann man auch besitzen. "Ich habe lange überlegt, was ich mir überhaupt machen lassen soll", erzählt der 23-Jährige über die Anfänge seiner Leidenschaft, die bei einer Reise durch die USA erst richtig entflammte. Das war im Winter 2006 in Pittsburgh. Er hat ein Bild gesehen, sich darin verliebt und es sich schließlich machen lassen. Nach sechs Stunden Quälerei war das erste Werk fertig. Seither - so gibt der Mittelfeldspieler zu, "sind Tattoos fast zu einer Sucht geworden". Sobald Hilbert ein bisschen mehr freie Zeit hat, wächst das Bild an seinem Körper. Erst im Sommer 2007 bei einem Portugal-Trip. Und zuletzt in diesem Sommer in einem Tattoo-Studio in Stuttgart-Obertürkheim. So entstand ein Grundriss zwischen Erotik und Exotik. Allerdings nur für den Betrachter. Hilbert selbst will mit seinem Tattoo keine Botschaft vermitteln. "Das Bild hat keine Aussage oder Bedeutung", erklärt er. Es geht ihm und seiner Frau Saba - sie sucht die Motive zusammen mit ihm aus - in erster Linie um Ästhetik. Die Schönheit, die in Wechselwirkung zwischen der Ornamentik und dem Körper eines Hochleistungssportlers entsteht. "Ich will dabei kein Kunstwerk oder Künstler sein, sondern nur präsentieren", sagt Hilbert. Bei aller Exklusivität und Darstellungsfreude - das Tattoo hat für Roberto Hilbert auch einen tieferen Sinn. So muss es wohl auch sein. Schließlich lässt sich das Ganze nicht einfach morgens beim Duschen abwaschen. Ein Tattoo hat den Charakter von Ewigkeit - und fester Bindung. So hat es auch für Hilbert eine tiefe emotionale, ja vielleicht sogar eine existenzielle Bedeutung. Gerade in dem Moment, wenn sich die größte Anspannung des Profi-Fußballers beim erfolgreichen Torschuss entlädt, wird diese verborgene Botschaft sichtbar. Er krempelt seinen Trikotärmel hoch, küsst sein Tattoo am Unterarm und strahlt. Ein symbolhafter Akt mit konkretem Bezug: In dem Tattoo sind die Namen seiner Frau und die seiner Kinder (Shakira, Louis, Nando) verborgen. So wird aus dem Torjubel ein Treuebekenntnis zur Familie und zu seinen zwei Leidenschaften: Fußball und Tätowierungen. Und wenn Hilbert spektakulär ins Tor trifft, ist es beidesmal Kunst, die einem unter die Haut geht. |
hier: www.hilbert19.de
Martin Haar - STUTTGARTER NACHRICHTEN














